Wochenrückblick: Die fünfte Jahreszeit

Dieses Jahr hatte ich mich auf Karneval richtig gefreut und hatte mir viel vorgenommen. Dabei ging es mir eher weniger ums Feiern, als ums Fotografieren. Aber manchmal kann man ja beides miteinander verbinden. An Karneval steht die ganze Stadt Kopf, altbekannte Orte erscheinen plötzlich für kurze Zeit im neuen Licht, da ergeben sich unweigerlich ungewöhnliche Motive. 

So verliefen meine Tage:

Weiberfastnacht:  Big Mike & Gianni La Bamba im Roxy.
Schon im Sommer fotografierte ich Big Mikes Auftritt im Roxy. Daher hatte ich schon eine genaue Vorstellung davon, wie ich vorgehen würde. Schließlich waren mir die Lichtverhältnisse, die Größe der Bühne oder die besten Spots zum Fotografieren bereits bekannt. Wenn man die Location im Vorfeld nicht kennt, ist es immer schwierig einzuschätzen, welches Equipment man genau braucht (welches Objektiv, Blitz oder eher kein Blitz etc). In diesem Fall konnte ich mich aber entspannt auf den Auftritt fokussieren, ohne mir große Gedanken über die Rahmenbedingungen zu machen. Volle Hütte, die Masse tobt, was will man mehr. Gefreut hat mich auch die nette Bekanntschaft mit Amy Brauhaus, die dort ebenfalls einen Auftritt hatte und Mike bei „La kölsche Vita“ supported hat. 

Freitag: Zeit mit Tochter verbracht und ihr unter anderem gezeigt, wie man beim Schach den Gegner mit zwei Türmen Schachmatt setzt. 

Samstag: Durch die Stadt laufen, Nubbel fotografieren / Geisterzug
Den Samstag nutzte ich, um die Innenstadt nach interessanten Karnevalsmotiven abzusuchen. Zum Beispiel habe ich zahlreiche Nubbel fotografiert, die während der jecken Tagen über den Türen der Bars und Kneipen hängen. Seit Jahren sammle ich Bilder von den unterschiedlich gestalteten Strohpuppen, die am Veilchendienstag für alle im Karneval begangenen Sünden büßen müssen und verbrannt werden. 

Abends ging es dann auf den Geisterzug, den ich mir zum ersten Mal anschaute. Dieses Jahr lief er sogar praktisch an meinem Haus vorbei. Viele gute Bilder sind dabei leider nicht entstanden, dafür war ich auf die ganzen Gegebenheiten im Nachhinein zu schlecht vorbereitet. Sehenswert war es aber trotzdem. Nächstes Jahr weiß ich was mich erwartet und bin darauf besser vorbereitet, vor allem bin ich dann wärmer angezogen.

Sonntag: Schul- und Veedelszöch fotografieren
Ich mag den Schul- und Veedelszöch. Es ist praktisch eine kleine Generalprobe für den Rosenmontagszug, bei der unterschiedliche Schulen und kleinere Vereine die Strecke des großen Zuges ablaufen. Im Vergleich zum Rosenmontagszug ist es viel ruhiger und nicht so überfüllt überall. Man kann sich den Zug in Ruhe anschauen. So konnte ich entspannt entlang des Zuges laufen und an unterschiedlichen Orten nach interessanten Motiven suchen.

Rosenmontag: Rosenmontagszug anschauen und fotografieren | Big Mike Auftritt im Reineke Fuchs
Der Rosenmontag ist eigentlich mein liebster Karnevalstag. Zum einen ist die Atmosphäre rund um den Zug einfach sehr schön (bis auf einige Streckenabschnitte, wie die Umgebung rund um den Dom), zum anderen liebe ich es, an unterschiedlichen Orten Freunde zu treffen, mit ihnen ein Bier zu trinken und nebenbei auch noch Bilder zu machen. Der Rosenmontag beginnt aber immer mit einem ausgiebigen Frühstück. Danach laufe ich vor Beginn des Zuges über die Bonnerstrasse und den Sachsenring und sauge die Atmosphäre auf. Es liegt Spannung und Vorfreude in der Luft, die Vereine, die im Zug mitgehen versammeln sich, beladen ihre Wägen mit Kamelle, alle sind gut gelaunt, die Tanzgruppen üben nochmal ihre Figuren. Vor allem kann man sich in Ruhe die aufwendig gestalteten Umzugswägen anschauen, die während des Zuges nur sehr schnell an einem vorbei fahren. 

Kaum war der Zug vorüber, ging es noch schnell auf die Aachenerstraße ins Reineke Fuchs, um einen weiteren Auftritt von Big Mike & Gianni La Bamba zu fotografieren. Im Gegensatz zum Roxy waren mir die Gegebenheiten hier nicht bekannt. Deshalb hatte ich im Vorfeld einfach drei Objektive und den Blitz eingepackt. Damit war ich gut gerüstet und konnte mich ins Getümmel stürzen. Und obwohl ich mittlerweile schon viele Auftritte der beiden dokumentiert habe, machte auch diesmal das Fotografieren wieder wahnsinnigen Spaß. Es war Mikes letzter Auftritt an Karneval, dementsprechend gab er nochmal alles - ein Abriss vom Allerfeinsten, Energie und Power pur.  

Dienstag: Nubbelverbrennung 
Es war eine überraschende Wendung. Wie jedes Jahr packte ich meine Kamera, zwei Objektive und einen Blitz und machte mich auf den Weg zur großen Nubbelverbrennung im Kwartier Latäng. Maximal vorbereitet und mit konkreten Plänen, welche Motive ich dieses Jahr fotografieren werde. Zu viel geplant - das Wetter machte all meine Pläne zunichte. Seit etwa acht Jahren fotografiere ich die Nubbelverbrennung und noch nie hat es in der Zeit geregnet. Doch als gestern die schwarze Kutsche, die den Nubbel jedes Jahr zu seiner Hinrichtung abholt, sich in Bewegung setzte, regnete es in Strömen. Innerhalb von fünf Minuten war mein Rucksack und die Kamera nass, ans Fotografieren war nicht zu denken. Zunächst war ich verärgert, doch fand mich schnell damit ab, das erste mal seit Jahren kein Bild zu machen. Ich packte alles ein und ging unterm Regenschirm zum Ort der Nubbelverbrennung. Doch dann, als die Anklageschrift verlesen wurde, öffnete sich zwischen den vielen Regenschirmen plötzlich ein kleiner Spalt. Da war es - mein Bild. Überrascht und mit einem breiten Lächeln im Gesicht, packte ich meine Kamera wieder aus und machte Bilder, die ich so noch nicht in meiner Serie hatte. Die ganze Serie "Des Volkes Sündenbock" findet ihr übrigens hier.

Was mich außerdem beschäftigte:
Gesehen: Den Dokufilm „Wir waren das Miljö“ über die Rotlicht- und Glücksspiel-Branche der 60er bis 70er Jahre in Köln. Protagonisten wie der „Lange Tünn“, „Karate Jacky“ oder „Schnmidte Udo“ erzählen Geschichten aus dieser Zeit. Schon zum zweiten Mal gesehen. 
Gelesen: leider keine Zeit. 
Gehört / Zitat der Woche: „Kölle Alaaf“
Sound der Woche: Querbeat - Da Plän und „La Kölsche Vita“ von Big Mike.