Stadtfotografie: "Köln - 86 Veedel" - Tour durch den Stadtteil Rodenkirchen

Es gibt Stadtteile, die kosten mich enorm viel Kraft. Rodenkirchen war einer davon. Im Jahre 989 als „Rodenkirichon“ zum ersten Mal erwähnt, war der Ort lange Zeit ein Dorf, das von Fischfang, Landwirtschaft und vor allem Weinbau lebte. Den ursprünglichen Dorfcharakter kann man heute noch an vielen Stellen erkennen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Rodenkirchen aufgrund der Lage am Rhein zu einem beliebten Naherholungsgebiet und bevorzugten Wohnort für wohlhabende Leute, die dort ihre luxuriösen Wohnträume verwirklichen. Es ist wirklich ein sehr schöner Stadtteil, mit vielen Fachwerkhäusern, beeindruckenden Villen, dem Forstbotanischen Garten, zahlreichen Bootshäusern und natürlich der „Kölschen Riviera“ - dem einzigartigen und beliebten Sandstrand am Kölner Rheinufer. Man kann dort wunderbar spazieren und sich von der Hektik der Innenstadt erholen. Vor allem bei gutem Wetter fahre ich gerne dorthin und spaziere die schöne Strecke am Rhein entlang, vorbei an der Kapelle St. Maternus, die schon seit dem 10. Jahrhundert an Ort und Stelle steht und dem Schutzpatron des Stadtteils gewidmet ist, den prächtigen Villen und genieße den Ausblick auf die gegenüberliegenden Stadtteile Westhoven und Ensen. Als Schlußpunkt beende ich den Ausflug am liebsten mit einem Besuch im „Quetsch“, wo ich mit einem Kölsch oder Kaffee nochmal die Aussicht auf den Rhein genießen kann.

Aber so schön es dort auch ist, der Stadtteil kostete mich überraschenderweise enorm viel Energie. Nach zwei Tagen wollte ich zwischenzeitlich sogar hinschmeißen und mich vorübergehend einem anderen Veedel widmen. Zuerst verstand ich garnicht, was mein Problem ist, doch dann wurde mir klar, dass mir in Rodenkirchen einfach Reibung fehlte, ein Bruch der schönen Idylle, etwas was mich irritiert oder verstört hätte. Die Straßen mit den vielen Villen sind mit Sicherheit schön anzuschauen, aber sie betäubten unauffällig meine Sinne und schläferten mich ein, bis sich bei mir Müdigkeit und Frustration breit machte, die ich mir allerdings zunächst nicht erklären konnte. Im Nachhinein wurde mir klar, dass mir einfach die Spannung fehlte, die ich für meine Bilder suche. Schicke Häuser mit ihren Vorgärten, noch schickere Villen, viele davon hinter Mauern und Hecken - nichts was mich wirklich packte. Zumal ein Mann, der sich mit einer Kamera und einem dicken Objektiv vor so einer Villa positioniert, äußert ungern gesehen wird und viel Mißtrauen erweckt.

Am dritten und vierten Tag, als ich den Ortskern verließ und mich weiter raus wagte, erfolgte dann endlich der Durchbruch und ich entdeckte meine Energie und Neugierde wieder, als hätte man mich aus einem endlosen Schlaf geweckt. Vor allem als ich in das Neubaugebiet am Sürther Feld kam, war mein Akku in Sekundenschnelle aufgeladen. Auf einer großen Fläche, die vor kurzer Zeit noch komplett aus Feldern bestand, zieht die GAG ein neues Wohngebiet hoch. Schicke weiße Einfamilienhäuser mit Gärten, aber auch größere Mehrfamilienhäuser wachsen dort wie Pilze aus dem Boden. Manche Häuser sind schon bezogen, andere wiederum sind fertig aber noch leer, dazwischen ganze Häuserreihen, die sich noch im Bau befinden, Kräne, umgewühlte Erde, Gestrüpp, Schuttberge, Zäune und unfertige Straßen. Kein Supermarkt, kein Kiosk, keine Kneipe und so gut wie keine Bäume. Eine solch skurrile Szenerie begegnete mir schon länger nicht. Das Wetter war beschissen, permanent setzte Regen ein, aber mir war es egal, ich entdeckte meinen Spaß wieder und fotografierte wie ein Wahnsinniger, versank zwischendurch sogar bis zu den Knöcheln komplett im Schlamm. Durchnässt, durchgefroren, aber mit richtig vielen Bildern im Gepäck und vor allem glücklich, beendete ich meine Tour durch Rodenkirchen. Im Frühling werde ich mit Sicherheit zurückkehren, dann aber um bei gutem Wetter die schöne Idylle zu genießen. 

Zurückgelegte Strecke: 43,7 km.

Eine größere Bildauswahl aus Rodenkirchen findet ihr hier